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Die Pestkerze von St. Benedikten bei Knittelfeld

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche ist um 1125, ein schöner rechteckiger Saalraum mit flacher Stuckfelderdecke und drei Altären. Einer davon ein gotischer Flügelaltar, um 1510 bis 1520 errichtet, dem Hl. Florian geweiht. Kümmernisdarstellungen: Heilige am Kreuz, zwei gotische Apostelkreuze. Der südliche Chor aus der barocken Werkstätte Balthasar Prandstätters, dem Hl. Benedikt geweiht, dem Namensgeber. An den Seitenaltären ist eine Muttergottes mit Kind aus Lindenholz bemerkenswert. Gotischer Freskenschmuck an der Chorwand und an der Triumphbogenwand im Langhaus, auch an der nördlichen Langhauswand, fällt auf, so um 1400 entstanden. Der schmiedeeiserne Hängeleuchter aus 1644 gefällt. Auch der barocke Dachreiter mit Zwiebelhelm ist wunderschön. Außen und innen eine sehenswerte Kirche, die durch Erweiterung eine eigenartige Bauweise erfahren hat. Und durch den Saalraum zieht sich eine lange, liegende Stange, die an der Decke befestigt ist. So sieht es der Uneingeweihte.schen.

In der kleinen Filialkirche St. Benedikten bei Knittelfeld befindet sich eine 15 Meter hohe Pest- bzw. ‚Türkenkerze‘, die alljährlich bei einer feierlichen Prozession nach Fronleichnam von zwölf Trägern der umliegenden Bauernhöfe auf spektakuläre Weise mitgeführt wird. Die Legende besagt, dass die Kerze von den Bewohnern des Ortes aus Dankbarkeit für die überstandenen Plagen (Pest, Heuschrecken und ‚Türken‘) gestiftet und erst bei einem späten Einfall der Osmanen gegen eine mit Sprengstoff gefüllte Kerze ausgetauscht wurde, die die Kirche in die Luft sprengen sollte.

Einmal im Jahr, am so genannten Herz-Jesu-Sonntag (zehnter Tag nach dem Fronleichnamsfest) wird die Kerze bei einer feierlichen Prozession auf dem Hochanger hinter der Kirche St. Benedikten mitgeführt. Die mit bunten Bändern und Blumen geschmückte Kerze wird dabei zu jedem einzelnen der vier Altäre auf dem Feld getragen, die – ähnlich wie bei Fronleichnam – mit Birkenbäumchen geschmückt sind

Vorbereitung und Durchführung der Prozession fallen in den Zuständigkeitsbereich einiger ausgewählter Bauernfamilien. Während die Pest- bzw. ‚Türkenkerze‘ im Besitz der Familie Klob (Vulgoname des Gasthauses Albrecht am Fuße des Kirchenhügels) ist, übernehmen Angehörige der Bauernhöfe Albrecht, Steinwidder (vulgo Kühbrein bzw. Kielnprein), Rauscher (vulgo Moar) und Rüscher (vulgo Eberhard) die Funktion der so genannten „Jochträger“. Um das enorme Gewicht der Kerze zu stemmen, sind jedoch noch weitere Träger von Stützstangen aus der Nachbarschaft von Nöten (Details zur Prozession und zur Rolle der Kirchenbauern siehe Cronenberg 2011). Erlischt die Kerze während der Prozession, so sei dies ein „unheilvolles Zeichen“. Einmal, im Jahr 1902, soll sich bei dem Umzug ein tödlicher Unfall ereignet haben. Dabei wurde eine Klosterschwester von der umfallenden Kerze getroffen. Seither soll die Kerze ein Stück kürzer sein (vgl. Leitgeb 1987: 16).

Damals wie heute ist der Umgang mit der Pest- bzw. ‚Türkenkerze‘ von St. Benedikten „eine Mischung aus Danksagung auf Grund eines Gelübdes und Schutzbitte um Verschonung vor allem Übel, sowie Segensbitte für Mensch, Tier und Flur.“ (Cronenberg 2011: 6)

Quelle: www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at

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